Annette Freudling

geb. 1970 in Neustadt/Holstein und wuchs in Wilhelmshaven auf. In Bremen studierte sie Kulturwisschenschaft,
Germanistik und Anglistik. Seit 2002 ist sie als Redakteurin für eine Lokalzeitung in den Landkreisen
Rotenburg/Wümme und Verden tätig.

   
  Deutsche-Krimi-Autoren hat bei der Autorin nachgefragt, ob in absehbarer Zeit ein neues Buch erscheint, oder welche Pläne die Autorin in den kommenden Monaten hat:

Antwort von Annette Freudling:
Im Moment ist kein neues Buchprojekt geplant, dennoch ist sie nicht untätig.

Einige Kurzgeschichten haben Preise gewonnen. Im Nov. 05 mit der Story "Troja und die tödlichen Pralinen" den Literaturpreis der Kulturinitiative Sottrum. Im Dez. 06 gewann sie einen Wettbewerb mit der Story "Troja und die todbringende Wolkenfrau". Troja (eine etwas schrullige Ermittlerin mit einem Faible für ausgefallene Haarfarben) ist eine Serienheldin.

Mit dem Buch "Blindgänger" ist sie im März wieder auf Lesereise. An den Samstagen 3. und 24. März 07 im Rahmen der Lady-Krimi-Night des Schardt-Verlages im Restaurant Phoenix in Oldenburg in Old. (Abendveranstaltung mit Essen) Am 18. März 07, ein Sonntag, veranstaltet die Buchhandlung Harmsen in Schleeßel ein Matinee.

"Blindgänger" wird auch demnächst als Hörbuch erscheinen. Hierfür laufen die Arbeiten auf Hochtouren, und es macht ihr viel Freude dieses Projekt selbst zu sprechen. Also demnächst für alle Fans die Stimme von Annette Freundling in Hörbuch-Qualität.

Autorin Annette Freudling im Mail-Interview - exklusiv für deutsche-krimi-autoren - 01.03.07 © by caren löwner

   
   
Blindgänger (Bremen-Krimi)
(erschienen Sept. 05 - Schardt Verlag - 168 S - ISBN 3898412008 / 12,80 €)

Die Studentin Sonja Jung wird tot aus der Weser geborgen. War es wirklich Selbstmord, begangen aus Verzweiflung über ihre Examensarbeit? Sonjas Vater, Hanno Jung, glaucht nicht daran und wendet sich an Josch Adamis von der Bremer Kripo. Für den Polizisten beginnt eine Spurensuche ungewöhnlicher Art, als er merkt, daß ein Blinder sein inoffizieller Partner wird. Jeder der beiden nähert sich auf seine Art einem Geheimnis, das in Bremer Universitäts- und Industriellenkreisen verborgen liegt. Sie stellen fest: Bei Sonjas abschlußarbeit ging es um weit mehr als einen Zeitzeugenbericht aus der Zeit des Nationalsozialismus.

  Anmerkung:
Mit "Blindgänger" präsentiert die Autorin Ihr Erstlingswerk. Auf knapp 170 Seiten liefert Sie dem interessierten Leser eine perfekte, verständliche und spannende Krimi-Story. Ohne viel Schnörkel, mit einer begrenzten Anzahl von Protagonisten wird Bremen zum Tatort für Mord. Durch Ihren sichern Schreibstil, Ihre lockere Art mit dem Leser zu plaudern zieht Sie Ihre Story von der Gegenwart in die Vergangenheit des Jahres 1933. Dieses Jahr führen über 60 Jahre später ein Zeitzeuge, ein Tagebuch, eine engagierte Studentin und einen Pharmakonzern nochmals zusammen, allerdings aus ganz unterschiedlichen Motiven. Der Autorin gelingt es bis zum Schluss den Leser zu "narren", und somit seine Aufmerksamkeit zu bekommen.
Fazit: Toller Bremen-Krimi mit Flair.

zur Geschichte:
Wilhelmshaven: Hanno Jung - erblindet und seine Ehefrau Marie trauern um ihre Tochter Sonja, die sich laut den Ermittlungsakten der Polizei nach einer misslungenen Examensarbeit in der See ertränkt hat. Selbstmord. Für den Vater schwer vorstellbar und er findet keine Antwort auf das Warum? Er selbst war Geschichtslehrer, kennt den Druck von Examensarbeiten und auch seine Tochter hat sich immer wieder beklagt über die anstrengende Zeit, und doch hat er das Gefühl etwas nicht richtig verstanden zu haben. Er geht einen ungewöhnlichen Weg. Er ruft den Professor seiner Tochter an und hat das Gefühl nur abgewimmelt zu werden. Dann reist er allein nach Bremen. Er will die Wahrheit wissen. - Bremen: Kriminalhauptkommissar Josch Adamis denkt an seinen letzten Streit mit Thea, der das Ende der Beziehung bedeutete. Urlaub wäre nicht schlecht und nun muss er sich auch noch um den Fall "Sonja Jung" kümmern. Ein Selbstmord. Durchgefallen in der Examensarbeit und dann vollgepumpt mit Schlafmitteln ins Wasser. Selbstmord. Akten schließen. Doch am nächsten Tag steht in seinem Büro Hanno Jung, der Vater der Toten jungen Frau. Erst herrscht Sprachlosigkeit, aber die Hartnäckigkeit mit dem dieser blinde Mann sein Ziel verfolgt beeindruckt ihn und er selbst nimmt die Ermittlungen nochmals auf. Der Weg führt zur Universität, Prof. Florian Weizenkamp, zur Freundin Martina Bloom und einen Pharma Konzern... Hanno Jung und Josch Adamis werden ein Team mit vielen unbequemen Fragen...

(01.11.05) ****

   
  Autorin Annette Freudling im Mail-Interview - exklusiv für deutsche-krimi-autoren - 06.11.05 © by caren löwner

1.) Ihr Buch "Blindgänger" ist Ihr Erstlingswerk. Welche Gefühle haben Sie bewegt, als Sie Ihr Buch gedruckt erstmalig in Händen hielten?   Freudiger Unglauben. Es ist verdammt schwer, nicht der Geburts-Metaphorik zu verfallen. Ich erwische mich ständig bei sehr mütterlichen Gefühlen für mein Buch.  

2.) Ihr Tatort ist Bremen. Warum ein Bremen-Krimi?   Das ist die logische Konsequenz aus zehn Lebensjahren in drei Bremer Stadtteilen, vierzehn Uni-Semestern und unzähligen innerlichen Liebeserklärungen an diese großartige Stadt.  

3.) Wie entstanden Story und Protagonisten?   Ich wollte einen Krimi schreiben, der Authentizität und Liebe zur Sprache verbindet. Dass ich beim "Casting" über einen liebeskranken Polizisten am Rande des Burnouts gestolpert bin, über seine störrische Exfreundin mit dem großen Herz, über einen unglücklichen Hochschuldozenten und seinen erfolgreichen Bruder aus der freien Wirtschaft, einen gesellschaftsunfähigen Traumkörperbewohner und einen einsamen alten Mann - das war sicher in erster Linie Zufall. Wirklich geplant - quasi Ausgangspunkt des Ganzen - war nur die Perspektive des blinden Vaters. Aber zu dem kommen wir ja noch. Erstaunlich ist, wie schnell so eine Romanfigur ein Eigenleben entwickelt. Ich habe mir oft gewünscht, als Erfinder meiner werten Hauptdarsteller ein wenig mehr zu sagen zu haben. Statt dessen drehten mir Hanno, Adamis, Thea und Konsorten mir ständig lange Nasen und machten ihr eigenes Ding. Respektloses Pack! Aber ich liebe sie alle.  

4.) Welchen Zeitraum darf sich der Leser von der Idee bis zum Druck des Buches vorstellen?   Einen langen - nein, einen sehr langen. Die ersten Seiten tippte ich in fröhlicher Naivität, als ich gerade mit dem Studium fertig war. Das war 1998. Zwei Jahre später, als ich meine Ausbildung zur Redakteurin begann, war das Buch zu etwa zwei Dritteln fertig - jedenfalls dachte ich das. Danach ging erst mal der Job vor, während das Manuskript in der Schublade vor sich hinschmorte und langsam ein Loch hineinbrannte. Anfang 2004 dachte ich plötzlich: jetzt oder nie, begann großzügig auszumisten, umzuplanen und umzuschreiben. Im Sommer meldete ich Vollzug. Im März 2005 unterschrieb ich den Vertrag beim Schardt Verlag. Von da an war es mit Korrekturgängen und Umschlaggestaltung noch ein halbes Jahr bis zum Erscheinen.  

5.) Sie haben auf allen Schnick-Schnack (Kleidung der Personen, Wetterlage und Land-/Ortsbeschreibungen) verzichtet. Haben Sie Prioritäten gesetzt? (Charaktere der Protagonisten, Inhalt des Krimis)   Das klingt ja fast steril - als ob Äußerlichkeiten gar keine Rolle spielen (dabei weiß ich aus dem Stand mindestens vier Wetterlagen, die im Blindgänger vorkommen...) Nein im Ernst: Beschreibungen sind mir schon wichtig, und es gibt auch zahlreiche. Was ich vermeiden möchte, ist, Seite um Seite Bilder auszumalen, die keinen Spielraum mehr für den Leser lassen. Ich finde es reizvoller, eine Szene hinzutupfen, statt sie mit Details zu überfrachten. Oder verschiedene Informationen über die Charaktere nach und nach einzustreuen. Beim Blindgänger kommen die wechselnden personalen Erzähler hinzu. Sie beobachten, nehmen wahr, reflektieren. Sie bieten dem Leser Stücke ihres Bewusstseinsstroms - aber sie liefern keine Bildbeschreibung ihrer Küche, ihres Wohnzimmers, ihres Gegenübers. So was passt nicht zu ihnen. Die Auslassungen sind Teil der Perspektive - Aus diesem Grunde gibt es übrigens auch Kapitel, in denen nur Geräusche, Gefühle und Gerüche beschrieben werden. Das ist die Sichtweise des Blinden.  

6.) Eine Ihrer Hauptfiguren ist Blind. Dieser Person geben Sie unheimlich viel Wertgefühl, die Bestätigung Selbstständig zu sein. Alleine Reisen mit dem Zug, sich im Hotelzimmer zurechtfinden, Zeugen aufsuchen, usw. Ist diese Person aus einem Gefühl heraus entstanden, oder aus dem eigenen Erfahrungsschatz?   Hanno ist niemandem aus meinem Bekanntenkreis nachempfunden. Aber ich habe mit blinden Leuten gesprochen, Bücher über Blinde und von Blinden gelesen, um mich in die Figur hineinzudenken. Für meinen Krimi war ich auf der Suche nach einer neuen Perspektive - einer anderen Art, Dinge wahrzunehmen. Um einen blinden Supermann ging es mir nicht, sondern um jemanden, der sich seine Selbstständigkeit hart erarbeiten muss. Für Hanno ist der Alltag in einer fremden Stadt ein Abenteuer, auch ohne dass er einen Mörder sucht. Das wollte ich zeigen, aber auch die andere Seite: Hanno hört genauer als andere, wie etwas gesagt wird. Insofern ist er den Sehenden auch voraus.  

 

7.) Ihrer Kurzbiographie ist zu entnehmen, dass Sie in Neustadt/Holstein geboren wurden. Haben Sie heute noch in diese Richtung (Ostsee) eine Beziehung?   Leider nicht. Leider sage ich, weil ich Schleswig-Holstein wunderschön finde.  

8.) Denkt die Autorin Annette Freudling über ein weiteres Buch nach?   Nachdenken: ja, unbedingt. Aber bevor ich anfange, möchte ich noch ein paar Reaktionen auf Nummer eins abwarten. Und irgendwo müsste ich auch noch eine geheime Zeitquelle auftun.

 

Home Bücherverzeichnis Autoren A-Z Bewertungen Verlage Neuerscheinungen Foren Links

© Caren Löwner