Klaus Kordon

 

Mit dem Rücken zur Wand (Jugendbuch ab 13 J.)
(Mai 07 - Beltz Verlag - 454 S - ISBN 978 3407789228 / 9,90 €)

Berlin 1932/33 - die Weimarer Republik geht dem Ende entgegen, die Nationalsozialisten übernehmen die Macht. Die politischen Auseinandersetzungen spiegeln sich auch in der Familie Gebhardt wieder und der 15-jährige Hans mus sich stets neu entscheiden: für oder gegen den Bruter Helle, der Kommunist ist, für oder gegen seine Schwester Martah, deren Freund in die SA eingetreten ist, für oder gegen seine Freundin Mieze, die sich vor der Zukunft fürchtet.

  Anmerkung:
Das erste Wort das dem Leser einfallen könnte: Beeindruckend! Sehr sachlich geschildert werden die Ereignisse der Jahre 32/33 vom Autor Klaus Kordon. Jeder Leser kann einmal "Hans" sein und seine Gedankengänge nachvollziehen. Was ist richtig, was ist falsch. Wer steht wo? Für welche Sache wird eingestanden? Hin- und hergerissen zwischen den politischen Welten versucht Hans alle Parteien zu verstehen, sich selbst zu finden und sein bestes zu geben um der Familie zu helfen. Er kennt Angst. Er scheut sich nicht diese Angst auch zu zeigen, wie so viele Menschen in dieser Zeit und doch sind es zu wenige. Heute würde man viele damalige Menschen "Wendehälse" nennen und auch diese Menschen versucht Hans zu verstehen. So gibt er lange Zeit seine Schwester nicht auf, doch irgendwie ist ihm das Arbeitermilieu immer näher und seine Jüdin Mieze. Er erlebt wie innerhalb weniger Monate der Rechtsstaat, die Parteien und Gewerkschaften verschwinden. Familienangehörige, Freunde und Parteigenossen in Gefängnisse kommen. Wie hat das nur alles geschehen können?
Fazit: Ansprechende Erzählung einer historischen Zeit für Deutschland. Sehr empfehlenswert!

zur Geschichte:
Berlin Aug. 1932: Hans Gebhardt, knapp 15 Jahre alt hat seinen ersten Arbeitstag bei der AEG. Leider hat er keine Lehrstelle gefunden und muss mit einer Lagertätigkeit zufrieden sein. Anderen geht es noch schlechter. Die Eltern, Marie und Rudi sind einfache Arbeiter, der Vater durch den ersten Weltkrieg behindert. Sein ältester Bruder Helmut (Helle) hat eine Ausbildung aber keine Arbeit. Er ist verheiratet mit Jutta, die putzen geht und bald ihr erstes Baby erwartet. Seine ältere Schwester Martha arbeitet im Büro und bewohnt mit ihm eine kleine Dachkammer. Ihr Freund ist Günter Brem. Und in der Wohnung der Eltern lebt noch Heinz (Murkel), der noch keine 10 Jahre alt ist und zur Schule geht. Helle und die Mutter sind aktiv bei der KPD. Der Vater ist schon vor Jahren ausgetreten, da er das Parteiprogramm nicht mehr mittragen konnte. Gerade waren wieder Reichstagswahlen und die NSDAP wurde gestärkt, aber haben nicht gewonnen. Das es diese Partei gibt, bekommt Familie Gebhardt immer öfter zu spüren. Sie leben im 4. Hinterhof und gerade hat die Kuderka wieder geheiratet. Max Sauer ist bei der SA und beschallt den Hof immer öfter mit Marschmusik und Reden von Hitler. Doch noch muss die SA sich im Hintergrund halten. Immer mal wieder kommt es zu Auseinandersetzungen mit Mitgliedern der KPD. Es sind schwierige Zeiten. 6 Millionen Arbeitslose. Hunger, Elend und Not. Hans ist in keiner Partei. Auch in seiner Arbeitsstätte bekommt Hans Nazis zu spüren. Schröder und Klump vergreifen sich an Hans und fast alle schauen zu. Zu Hause im 4. Hinterhof muss er die Zwangsräumung der Familie Haberschroth miterleben und ist fassungslos, als sich die Mutter von 5 Kindern in die Tod stürzt. Und in diesen schweren Tagen tritt der Freund von Martha, Günter in die SA ein. Damit ist sie für ihre Eltern erledigt und auch für Helle. Hans versucht zu vermitteln und weiß doch, dass er scheitern wird. Er versucht die Schwester umzustimmen. Doch die liebt Günter. - Nov. 1932: Es sind wieder Reichtagswahlen, da die amtierenden Regierungsmitglieder zurückgetreten sind. Die Gewerkschaft ruft die BVG zum Streik auf. Tagelang gibt es keine Straßenbahn. In dieser Zeit kommt Hans endlich Mieze näher. Ein erster Kinobesuch, zarte Bande. Mieze arbeitet auch bei der AEG und ist Jüdin. Dadurch werden für Hans die Probleme nicht kleiner, denn so manche Wandschmierei ziert Häuser von Juden... weitere Ereignisse in der Arbeiterfamilie nehmen ihren Lauf, bis Hitler an der Macht ist Anfang Mai 33... jetzt muss Hans Farbe bekennen, muss sich mit Politik noch mehr Auseinandersetzen, aber auch den Weg zwischen Recht und Wahrheit finden...

(12.06.07) *****

   
   
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