Andreas Weber

Der Schuldschein (Berlin) - histo. Krimi
(Febr. 04 - Die Hanse Verlag - 236 S. - ISBN 3434528121 / €)

Berlin im Jahre 1376: Der Tuchhändler Randulf van Törsel hat feinstes Flandrisches Tuch in Berlin einfährben lassen, das der Berliner Kaufmann Hovemann nach Hamburg bringen soll. Alle stehen zur Abreise bereit. Da macht man einen grausigen Fund: Die Tochter van Törsels wird zwischen den Tuchballen gefunden - ermordet, mit abgeschnittenen Haaren. - Auch Hovemann ist verzweifelt: beim Würfelspiel mit Heinrich von Erp, einem der reichsten Kaufleute Berlins, hat er all sein Hab und Gut verloren. Wie soll er nur seine Schulden begleichen? Von Erp macht ihm ein abstoßendes Angebot: Er verlangt Friedelinde, die junge Tochter Hovemanns, für eine Nacht. Der Vater ist entsetzt und greift in seiner Verzweiflung zu einer tragischen Lösung. Wenige Wochen später brennt Berlin.

  Anmerkung:
Autor Andreas Weber hat einen sehr ruhigen und seichten historischen Plot geschrieben, der sich wunderbar lesen lässt und sehr gut verständlich ist. Es ist nicht die ganz große Spannung, dennoch überschlagen sich die Ereignisse teilweise und verlegen die Handlung von Berlin Richtung Hamburg. Die Elbe aufwärts. Der Autor hat seine Protagonisten gut beschrieben und so manchen stark in Szene gesetzt.
Fazit: kleiner feiner Krimi. Buchtipp für alle, die es gerne ruhiger angehen lassen und sich im historischen Berlin zu Hause fühlen

zur Geschichte:
Berlin-Cölln 1376: Der Tuchhändler Rondulf von Törsel begegnet einer alten Frau, die ihm ein Unglück voraussagt. Nur wenig später trifft dieses ein. Er kontrolliert die letzten verladenen Stoffe und ärgert sich über Feuchtigkeit. Schnell wird ein Teil wieder abgeladen und darunter... sein Tochter, ermordet. Fassungslos schaut er auf sie und gleichzeitig bringt er hervor, das war der Färber und seine Gesellen. Die fliehen und werden von den Menschen gejagt. Die Färbergesellen werden gerichtet. - Der Roggenhändler Hovemann wartet auf den Kaufmann von Törsel, damit seine Stoffe mit seinem Roggen endlich in See stechen können, Richtung Hamburg. Sein Sohn Thomas, der schwer verliebt ist in Marta, zählt das Lager nach, während Hovemann Richtung Markt geht und in eine Schenke einkehrt. Dort trifft er auf den reichen Kaufmann von Erp und lässt sich auf ein Spiel mit ihm ein. Am Ende muss er einen Schuldschein unterschreiben. Er könnte sich sofort befreien, wenn er ihm seine Tochter zur Frau oder auch nur für eine Nacht gibt. Verzweifelt begibt er sich nach Hause um einen teuflischen Plan zu ersinnen. Statt seiner Tochter bietet er die ungeliebte Freundin des Sohnes an, obwohl er bereits ahnt, dass sie dieses Liebesabenteuer nicht überleben wird. Er muss diesen Weg geben, denn niemand gibt ihm mehr Kredit und auch die geplante Hochzeit mit der Tochter von Sauertaig ist in weite ferne gerückt. Erst als Berlin-Cölln brennt, weiß er, dass er nicht richtig gehandelt hat... doch ist es jetzt zu spät?

(17.08.09) ***+

   
   
Home Bücherverzeichnis Autoren A-Z Bewertungen Verlage Neuerscheinungen Foren Links

© Caren Löwner